Winter: Zeit Kraft zu tanken und sich selbst ein wenig näher zu kommen

von Miriam Fischer Februar 02, 2019 4 Minuten Lesezeit

Winter: Zeit Kraft zu tanken und sich selbst ein wenig näher zu kommen

Der Winter ist in vollem Gange: es ist kalt und frostig draussen, Schnee und Eis haben unsere Umgebung in vollem Griff. Kaum aus dem Haus ziehen wir den Schal noch ein wenig höher und vergraben unsere Nasenspitze in der wärmenden Wolle. Mütze und Handschuhe sind unseren besten Begleiter, vielleicht sogar ein Taschenhandwärmer oder eine dicke Lammfellsohle in den Stiefeln.

Der Winter ist die Jahreszeit in der wir uns dick einpacken wenn wir aus dem Haus gehen. Und bleiben wir in der warmen Stube machen wir es uns gerne auf der Couch mit einer wärmenden Tasse Tee gemütlich. Wir verbringen Abende und Wochenenden unter der Couchdecke, vielleicht auch mit einem guten Buch oder einem Film. Grundsätzlich ist es die Jahreszeit in der wir uns gerne “einnisten”, Gemütlichkeit und nicht allzu viel Aktivität grossschreiben und auch ein vermehrtes Bedürfnis nach Schlaf und Erholung verspüren. Viele unserer Artverwandten in der Tierwelt halten nun Winterschlaf. Gut genährt mit einen Speckmantel oder gar mit Vorräten wie Nüssen um den langen kalten Monaten Stand zu halten.

In dieser Zeit mag es scheinen als ob das Leben zu einem Stillstand kommt. In der Ruhe von schneebedeckten Landschaften mit kahlen Bäumen wirkt es so als ob auch die Natur in einen tiefen Schlaf verfallen ist. Und teilweise ist das bestimmt so. Jedoch findet gleichzeit ein zauberhafter Schlummerprozess statt, der als essentielle Vorbereitung für den Frühling und das Erblühen neuen frischen Lebens dient. Im Winter werden Kräftereserven aufgefüllt, Energien getankt und unterhalb der stillen Decke von Schnee und Eis findet ein Reife- und Keimungsprozess statt, der die Natur mit neuen Samen für frisches Leben in Frühling und Sommer ausstattet.

Und so ist es auch mit uns Menschen: es kommt nicht von ungefähr, dass wir in dieser dunklen Jahreszeit mehr Schlaf brauchen, uns lieber auf die Couch kuscheln als Stunden über Stunden draussen zu verbringen. Uns lieber eine Badewanne einlassen und ein gutes Buch lesen als auf Städteerkundungstour gehen. Gleich wie die Natur möchte unser Körper diese Jahreszeit nutzen um Kraft zu tanken und die Reserven aufzufüllen, sodass wir gestärkt in die helleren und aktivitätsstärkeren Monate starten können.

In der chinesischen Medizin steht der Winter ganz im Zeichen des Wasserelementes. Nicht nur weil wir vermehrt dem Element von Wasser in Form von Schnee und Eis ausgesetzt sind, sondern weil Wasser in seiner unendlichen Vielfalt und Anpassungsfähigkeit auch still, dunkel und tief sein kann.

Die Wintermonate laden uns dazu ein uns mit der eigenen Stille, Tiefe und eventuell auch Dunkelheit anzufreunden. Uns selbst näher zu kommen. Zu verstehen wer wir in unserem Kern wahrlich sind. Winter ist die Jahreszeit für Retreat, Besinnung, Kontemplation und Verbindung zu uns selbst. Es geht weniger um Tun als um Sein und der Festigung wie Stärkung unseres essenziellen Wesens. Es ist wie als würden wir zu unseren Wurzeln und unserem Kern zurückkehren.

Wenn wir uns nun daran erinnern, dass unser Körper zu 70% aus Wasser besteht, wird deutlich wie wichtig diese innere Arbeit und Verbindung zu diesem Element ist. Physiologisch gesehen steht das Wasserelement laut chinesischer Tradition in Verbindung mit unseren Nieren – jegliches Organ welches für die Regulierung des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes, aber auch für die Harnproduktion zuständig ist. Die Nieren sind unser Powerhouse für Lebensenergie und grundlegend für alle anderen Organe. Haben wir Probleme mit unserer Nierenfunktion fühlen wir uns buchstäblich schlapp und ohne Lebensenergie, unser Enthusiasmus ist niedrig und wir sind kraftlos und wie abgetrennt vom Leben.

Auf der psychischen Seite wird eine unausgegliche Niere mit erhöhter Emotionalität und Angst verbunden. Interessant ist auch, dass die chinesische Medizin der Niere eine entscheidende Rolle in der monatlichen Regelblutung von Frauen zuschreibt; während dieser Zeit befindet sich der Körper in einem anspruchsvollem Ausscheidungsprozess, der Höchstleistung von den Nieren verlangt. Die ein oder andere von uns fühlt ein paar Emotionen mehr in diesen Tagen – ein Phänomen das in Verbindung mit der erhöhten Nierentätigkeit stehen kann. Dies kann sich jedoch in jeglicher Richtung zeigen: ist unsere Nierenenergie zusätzlich beansprucht oder gering kann dies vermehrt Emotionen hervorrufen und andersherum.

Was können wir nun in diesen Wintermonaten tun um im Einklang mit dem zu bleiben was die chinesische Medizin schon vor langer Zeit erkannte? Hier sind ein paar Tipps:

 

1. Nimm dir Zeit für dich selbst und deine Innenwelt.Finde deinen Weg dich mit deiner inneren Welt vertraut zu machen, zu verstehen wer du bist und was dich ausmacht. Besuche einen Meditationsretreat, schreibe Tagebuch oder erstelle ein Visionsboard für das kommende Jahr. Gib dir Raum und Zeit dich mit dir selbst zu beschäftigen, das Handy mal Beiseite zu lassen und zu lauschen was sich in der Stille und Einzigartigkeit des Momentes ergibt.


2. Ruhe und Erholung. Gib deinem Körper und Geist all die Zeit die dir hilft deine Reserven aufzufüllen und Kraft zu tanken. In einer Welt von Tun und Aktivität ist es häufig nicht leicht uns diesen Raum zu geben. Das schlechte Gewissen setzt ein. Wenn wir aber bewusst verstehen, dass diese Zeit dafür da ist, können wir uns selbst diese Freiheit gönnen. Und dann gestärkt, voller Zuversicht und Kraft in die aktiveren Jahreszeiten starten.


3. Versorge deinen Körper mit genügend Flüssigkeit.Es mag zunächst widersprüchlich klingen, aber in der Winterzeit ist unser Körper ausgetrockneter denn je. Das mag an trockener Heizungsluft oder der hohen Aktivität der Nieren liegen. Wichtig ist, dass wir unser biologisches System mit ausreichend Flüssigkeit versorgen. Ein gutes Glas Wasser auf unserem Schreibtisch... et voilà! Und wie wäre es mal mit einer Suppe oder einem stärkenden Gemüseeintopf statt trockener Nahrung wie Käsebrot und Chips.


4. Geniess es!Die Winterzeit lässt nicht aller unser Herzen höher schlagen. Lange kalte Monate und Dunkelheit schlagen dem ein oder anderen aufs Gemüt. Dennoch können wir diese Jahreszeit für ihre Qualitäten schätzen und annehmen. Und ihre Möglichkeiten nutzen! Wann warst du das letzte Mal Schlittschuhfahren? Hast das letzte Mal einen Schneemann gebaut? Und zu welcher Jahreszeit ist es schöner mit einer heissen Schokolade in der Hand gemeinsam mit einem Lieblingsfreund auf der Couch über das Leben zu philosophieren?

 

 Eine nährende und erholsame Winterzeit wünscht euch euer meinbuddha Team!

Miriam Fischer
Miriam Fischer


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