Was ist eigentlich Zen-Buddhismus?

von Miriam Fischer April 21, 2019 6 Minuten Lesezeit 1 Kommentar

Was ist eigentlich Zen-Buddhismus?

Was ist eigentlich Zen-Buddhismus?

Der Mond spiegelt sich im stillen Wasser eines Sees, doch er ist sich dessen nicht bewusst. Gleichermaßen weiß der See nicht, dass er das Bild des Mondes reflektiert. Doch sowohl der Mond als auch der See sowie das Spiegelbild existieren. Das ist Zen – das Gewahrsein einer erhabenen Wahrheit, die subtil und abstrakt ist.

Zen-Buddhismus ist eine von vielen Strömungen des Buddhismus. Im fünften Jahrhundert ging Zen (Chinesisch: Chan, Vietnamesisch: Thiền, Koreanisch: Seon) in China aus dem Mahayana-Buddhismus hervor und weist auch Einflüsse des Daoismus auf. Von dort gelangte diese Linie des Buddhismus nach Vietnam, Korea und Japan. Die Zen-Philosophie, wie sie heute weltweit bekannt ist und praktiziert wird, hat ihren Ursprung in Japan im 12. Jahrhundert. Da der Zustand meditativer Versenkung ein wesentliches Merkmal des Zen-Buddhismus ist, wird er auch oft Meditations-Buddhismus genannt.

Die Zen-Meditation

Das tägliche Sitzen in der Stille tiefer Meditation wird Zazen genannt. Zazen ist das praktische Fundament der Zen-Philosophie. Die Meditationspraxis findet im Sitzen statt. Es gibt verschiedene Sitzpositionen, zum Beispiel den Fersensitz (japanisch: Seiza) bei dem auch ab und zu ein Holzschemel verwendet wird. Die klassische Sitzposition ist der Lotussitz. Doch wer Knieprobleme hat kann auch auf einem Stuhl Zazen praktizieren.

Während die Zen-Praktizierenden meditieren, konzentrieren sie sich auf ihre Sitzposition sowie den Atem. In dieser tiefen Versenkung weichen die Gedanken und Unbewusstsein der Meditierenden schließlich einer höheren Erkenntnis und der Erfahrung des allumfassenden Bewusstseins. Aus der regelmäßigen Meditation im Sitzen fließt Zen in sämtliche tägliche Aktivitäten – Atmen, Denken, Sprechen Essen, Schlafen, Gehen und Arbeiten.

Die wichtigsten Prinzipien des Zen-Lebensstils

Zen ist keine Theorie oder Wissenschaft. Es ist auch keine Religion, kein Glaube mit strikten Dogmen. Es handelt sich vielmehr eine Philosophie, die durch praktische Erfahrung gelebt wird. Es gibt einige Prinzipien im Zen-Buddhismus, die die Lebensweise und den Alltag bestimmen. Lass dich von den folgenden Prinzipien inspirieren, um Zen in dein Leben zu integrieren.

Lebe mit Mitgefühl

Mitgefühl ist die wichtigste Tugend für die Buddhisten. Mitgefühl verändert das Leben in vielerlei Hinsicht. Erstens ist Mitgefühl mit sich selbst notwendig, um inneren Frieden zu finden. Zweitens ermöglicht uns das Mitgefühl mit anderen, das Gute in jedem Menschen wahrzunehmen und nicht über ihn zu urteilen, auch wenn wir sein Verhalten vielleicht nicht immer nachvollziehen können. Darüber hinaus ist der Ausdruck von Mitgefühl der Akt der Verbindung des Herzens. Diese Herzensverbindung birgt eine große Quelle der Freude. Aus Mitgefühl behandelst du

jeden, den du kennst, genauso, wie du mit dir selbst umgehen würdest und wie du willst, dass andere mit dir umgehen.

Erkenne, dass wir nicht ewig sind

Der Tod ist in der westlichen Gesellschaft oft ein Tabuthema. Buddhisten hingegen betrachten ihn als einen natürlichen Teil des Lebensprozesses und meditieren, um besser zu verstehen und in Erfahrung zu bringen, dass sie sie selbst nicht ewig sind. Wenn du die Endlichkeit deiner Existenz auf Erden akzeptierst, kann dies eine große Quelle für deinen inneren Frieden sein und dir dabei helfen, das Leben in vollen Zügen zu genießen und die großen wie die kleinen Freuden zu schätzen, die dein tägliches Leben mit sich bringt. Die Welt wird sich dir auf neue und tiefgreifende Weise erschließen.

Entwickle Achtsamkeit

Bemühe dich, jeden Moment deines Lebens bewusst wahrzunehmen und stets präsent zu sein. Insbesondere in Momenten, in denen es dir schwerfällt, im Hier und Jetzt zu bleiben, ist Achtsamkeit enorm wichtig. Denn dann ist da meistens etwas, was du dir genauer anschauen solltest, um deine Bewusstheit zu steigern. Ein Gefühl, eine Situation, ein Gedanke vielleicht? Sei achtsam und aufmerksam, wenn du mehr über dich und die Welt erfahren willst. Achtsamkeit wird jeden Aspekt deines Lebens und in jeder Hinsicht verändern. Du wirst größeren inneren Frieden und mehr Freude erfahren und die besten Lektionen des Lebens lernen.

Nimm dich als Teil des Ganzen wahr

Ein Zen-Lebensstil bedeutet, mit der Natur des Universums und der Essenz des wahren Glücks in Einklang zu kommen. Entwickle die Fähigkeit, jeden Moment deines Lebens auf positive Weise zu genießen, verwandle die banalsten Realitäten in lohnende Erfahrungen. Sei dir stets über den Zusammenhang des Großen und Ganzen bewusst und nimm dich als Teil des ewigen Kreislaufs des Lebens wahr. Mit dieser geistigen Einstellung entdeckst du, dass jedes einzelne Lebewesen Teil des Universums ist und dass sich die Welt ständig weiterentwickelt. Nimm die spirituelle Perspektive auf das Leben ein, um in Harmonie und Ruhe zu leben.

Sei ein Vorbild für andere

Ein buddhistisches Prinzip besagt, dass kein Mensch anderen helfen kann, wenn er sich nicht selbst zu helfen in der Lage ist. Es geht darum, zuerst auf sich selbst zu achten und zu versuchen, ein Vorbild und eine Inspirationsquelle für andere zu sein. Vermeide es, für oder gegen etwas zu kämpfen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Bringe zuerst deine eigene Welt in Ordnung und geh als gutes Beispiel voraus. Anstatt einer Kampfhaltung, nimm eine friedliche und lösungsorientierte Einstellung ein und ergreife Maßnahmen, die sich positiv auf deine Umgebung auswirken.

Kultiviere gute Werte

Es gäbe mehr Frieden und Glück auf der Welt, wenn alle sich bemühen würden, ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen zu verbessern, indem sie beispielsweise

einer Arbeit nachgehen, die sich positiv auf das Wohlergehen einer ganzen Gemeinschaft auswirkt. Wenn Werte wie Fairness, Gerechtigkeit, Mitgefühl und Wohlwollen aktiv gelebt werden. Diese Suche nach guten gemeinsamen Werten kann eine positive Veränderung in deinem und dem Leben anderer bewirken und für mehr Frieden und Glück sorgen.

Zeige Respekt und Dankbarkeit für das Essen

Buddhistische Meditationspraktiken helfen dir, die Bedeutung der Nahrungsmittel zu erkennen, die du vor dir hast. Essen ist Leben – Lebensmittel versorgen unseren Körper und Geist mit Lebensenergie. Wenn du dir die lebenswichtige Rolle der Ernährung bewusstmachst, wirst du vor jeder Mahlzeit Dankbarkeit empfinden. Du wirst auch dem empfindlichen Gleichgewicht der Natur größere Aufmerksamkeit schenken.

Verstehe den Akt des Gebens

Geben ist mehr als nur Geschenke an Weihnachten oder Geburtstagen, es sind auch all die kleinen Gesten der Zuneigung, die du jeden Tag erlebst und vielleicht gar nicht als solche betrachtest. Buddhisten haben ein sehr tiefes Verständnis für das Geben, denn das Leben ist sowohl Geben als auch Empfangen. Für ein ausgeglichenes Leben sollte stets Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen bestehen. Aus dieser Perspektive erkennst du deine Ressourcen, die du in jedem Moment mit anderen teilen kannst, wie Freundlichkeit, Mitgefühl oder einfach nur deine Anwesenheit. Gib das, was du selbst empfangen möchtest.

Befreie dich von Anhaftungen

Nicht an Mitmenschen anzuhaften, bedeutet nicht etwa, einsam und alleine zu leben. Doch du machst dein Glück nicht abhängig von den Worten oder Taten anderer. Hafte ebenso wenig an deinen Besitztümern und Errungenschaften an. Denn all dies ist vergänglich und je mehr du daran festhältst, desto größer der Schmerz, wenn du früher oder später loslassen musst. Je mehr du in der Meditation in Erfahrung bringst, wer du wirklich bist, desto weniger haftest du an.

Gib die drei Geistesgifte auf

Das Leben ist voller Laster, die dich blenden und dich daran hindern, in Harmonie mit deinem inneren Wesen zu leben – in Frieden, Freude und Selbstverwirklichung. Unter diesen Lastern gibt es drei, die als Geistesverschmutzungen betrachtet werden, auch Wurzeln des Unheilsamen genannt. Diese drei sind: Gier, Hass und Verblendung. Diese drei Gifte sind für das meiste Leid verantwortlich. Anstatt gegen sie zu kämpfen, akzeptiere die Tatsache, dass sie Teil deines Lebens sind, und arbeite langsam daran, sie nach und nach zu beseitigen.

Zähme dein Ego

Nicht nur der Zen-Buddhismus, sondern alle Formen der Spiritualität haben es zum Ziel, das irdische Dasein zu transzendieren und Erfahrungen der allumfassenden Wahrheit zu machen. Auf dem Weg der spirituellen Erkenntnis gibt es einige Stolpersteine. Das größte Hindernis ist das Ego, weil es seine Funktion ist, dich von

dem zu trennen, was du wirklich bist. Es stört deinen inneren Frieden und sorgt für zahlreiche Konflikte, Probleme und Illusionen. Obwohl das Ego ein fester Bestandteil der Persönlichkeit ist, wirst du mehr Erfolg haben und glücklicher leben, wenn du es zähmst. Zazen, oder eine andere Art der Meditation, ist die wirksamste Methode, um dein Ego im Zaum zu halten.

Strebe nach kollektivem Wachstum

Im Buddhismus wird eine Gemeinschaft von Praktizierenden Sangha genannt. Diese besteht aus Mönchen und Nonnen, die gemeinsam in Frieden leben und ihre Lebensphilosophie und ihren Glauben praktizieren, um ein höheres Bewusstsein für sich selbst und die Menschheit zu entwickeln. Das Prinzip von Sangha steht für die spirituelle Gemeinschaft und soll zur individuellen und kollektiven Weiterentwicklung aller Menschen beitragen. Sei dir bewusst, dass dein Leben nicht isoliert von den anderen stattfindet und strebe danach, gemeinsam mit deinen Mitmenschen in Achtsamkeit und Mitgefühl zu leben.

Willst du noch mehr über Zen erfahren? Dann versuche dich in der praktischen Erfahrung und meditiere regelmäßig. Denn die tiefe Versenkung in der Meditation ist die Methode, wie Zen-Buddhisten ihren Geist trainieren, ihr Bewusstsein erweitern und ihren friedlichen Lebensstil begründen. Namaste!

Miriam Fischer
Miriam Fischer


1 Antwort

Christin Wetzel
Christin Wetzel

April 30, 2019

Ein wunderschöner Artikel! Danke dafür ♥️🙏🏻

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