Warum ist der Vollmond ein so besonderer Anlass?

von Miriam Fischer Januar 19, 2019 4 Minuten Lesezeit

Warum ist der Vollmond ein so besonderer Anlass?

Warum ist der Vollmond ein so besonderer Anlass?

In wenigen Tagen ist wieder Vollmond. Der erste Vollmond des Jahres wird Wolf-Mond genannt, da im Januar im kalten Norden die Wölfe heulen. Der Vollmond am 20. Und 21. Januar 2019 ist ein ganz besonderer, denn er ist ein so genannter Supermond und findet auch noch gleichzeitig eine totale Mondfinsternis statt.

In vielen Kulturen der Welt wird der Mond verehrt und es werden Rituale und Zeremonien in Vollmondnächten abgehalten. Der Mond wirkt eine starke Kraft auf die Erde und die Menschen aus. Auch in Asien ist die Kraft des Mondes bekannt und der Vollmond wird von den Buddhisten sehr verehrt.

Die Bedeutung des Vollmonds im Buddhismus

Der buddhistische spirituelle Kalender basiert auf dem Mond. Der Vollmondtag ist der wichtigste Tag für Meditation, Lernen und spirituelle Praxis. Siddhartha Gautama, der später als Buddha bekannt wurde, wurde bei Vollmond geboren. Er wurde bei Vollmond erleuchtet und verließ schließlich seine menschliche Gestalt in einer Vollmondnacht. Alle drei Vollmonde waren dieselben, jedoch in verschiedenen Jahren. Dieser heilige Vollmond ist der Vollmondtag von Vesakha im alten indischen Kalender, der wichtigste Tag des Jahres. Es ist also wenig verwunderlich, dass im Buddhismus der Vollmond ein heiliger Anlass ist. Es ist eine verheißungsvolle Zeit, welche spirituelle Erfahrungen und tiefgreifende Veränderungen begünstigt.

Buddhisten zufolge repräsentieren die Mondphasen den Weg des Todes und der Geburt, den sich wiederholenden Zyklus, um die Fülle zu erreichen und dann wieder von vorne zu beginnen. Da Wiedergeburt im Buddhismus eine Selbstverständlichkeit ist, stellt der Mondzyklus ein Sinnbild für das Leben selbst dar. Den ewig wiederkehrenden Kreislauf von Leben und Tod.

Der Mondzyklus als Symbol für das Leben

Das Leben selbst ist gekennzeichnet durch kleine Zyklen, Phasen des Entstehens von Neuem und dessen allmählichen Zerfalls. Die Mondphasen repräsentieren, wenn sie metaphorisch betrachtet werden, das Entstehen von Neuem. Wie der Mond versuchen wir Menschen immer, etwas Großartiges zu schaffen oder ein Ziel zu erreichen. Wenn wir es dann erreicht haben, kommt ein Moment der Ruhe und Erholung, das Erfolgserlebnis. Doch dieses hält nicht ewig, es wird stets gefolgt von einer Phase des Zerfalls. Denn nichts ist ewig von Bestand. Vielleicht dauert die Erschaffung oder das Erreichte eine Zeit lang an, doch keineswegs das Gefühl der Befriedigung oder Erfolgserlebnis. Dieses vergeht meist recht schnell und mit dem nächsten Zyklus beginnt erneut der Drang, etwas Neues zu erschaffen oder ein neues Ziel zu erreichen.

Ähnlich wie aus astrologischer und wissenschaftlicher Sicht glauben Buddhisten, dass der Mond einen starken Einfluss auf unseren menschlichen Körper hat. Traditionell wird gelehrt, dass wir uns bei Vollmond mehr Zeit für die Entspannung nehmen sollten. Die Absicht, die dahintersteckt, ist, dass die Menschen sich am Vollmond-Tag eine Auszeit von der Arbeit und familiären Verpflichtungen nehmen, um sich auf Meditation und Gebet konzentrieren zu können. Um die Intensität des Vollmonds auszugleichen, beschäftigten sie sich mit Aktivitäten, die den Geist eher beruhigten als ihn zu aktivieren.

Vollmond – Feiertag in buddhistischen Ländern

Traditionelle buddhistische Gesellschaften befolgen den Mondkalender, was bedeutet, dass ihre Monate auf den Zyklen der Monde basieren. Deshalb fallen Feiertage nie auf das gleiche Datum wie in der westlichen Welt. Hier verwenden wir den Sonnenkalender, wo die Daten durch die Positionierung der Erde um die Sonne berechnet werden. In buddhistischen Ländern Asiens fallen offizielle Feiertage auf Vollmond-Tage, weswegen die Feiertage jedes Jahr an unterschiedlichen Daten sind. Vollmondtage sind Feiertage und deshalb feiern die Buddhisten den Vollmond mit einer gewissen Inbrunst. Sie ehren diesen besonderen Moment des Höhepunkts. Es ist ein geeigneter Moment, um an besonderen Meditationen teilzunehmen, Rituale zu abzuhalten und in einen tieferen Zustand der Stille einzutauchen. Der Vesakha-Vollmond wird dieses Jahr am 19. Mai 2019 gefeiert.

Durch die Beobachtung des Mondkalenders wird der Mond als Zentrum des Lebens eines Buddhisten verstanden. Da das Finden des Gleichgewichts ein vorrangiges Ziel des Buddhismus ist, der Weg der Mitte, eignen sich an Vollmondtagen Meditationen, um Körper und Geist in Einklang zu bringen.

Der Vollmond und das Meer der Gefühle

Vollmond ist immer eine großartige Gelegenheit, Dinge loszulassen, die du in deinem Leben nicht mehr brauchst. Insbesondere zum Jahresbeginn! Loslassen auf der emotionalen, körperlichen und geistigen Ebene ist wichtig, denn Neues kann sich nur manifestieren, wenn wir Platz dafür machen.

Vielleicht hast du schon beobachtet, dass das Meer an Vollmond immer sehr hohe Wellen hat. Der Mond regelt auch die Gezeiten. Wenn der Vollmond einen so starken Einfluss auf das Meer hat, hat er offensichtlich einen starken Einfluss auf uns Menschen. Immerhin besteht der menschliche Körper zu 70 Prozent aus Wasser und Emotionen sind traditionell mit dem Element Wasser verbunden. Es ist nicht verwunderlich, dass sich unsere sensiblen Seelen kurz vor dem Vollmond sehr emotional fühlen und Dinge aus der Vergangenheit auftauchen, wie Erinnerungen an schmerzhafte Lebenssituationen oder ein Trauma, von dem wir geglaubt hatten, wir hätten es längst gelöst. Wir nehmen unsere emotionalen Belastungen wieder auf und tauchen in den Schmerz ein, um das loszulassen, was nicht mehr benötigt wird.

Gefühle heilen mit Salzwasser

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, deinen emotionalen Schmerz an die Oberfläche zu bringen und an einem Vollmondtag zu lösen. Wenn möglich, schwimme im Meer, denn Salzwasser neutralisiert Energien und ist sehr heilsam, aber sei vorsichtig mit den Wellen.
Keine Sorge, wenn du kein Meer in der Nähe hast. Du kannst auch Meersalz oder Himalayasalz nehmen und ein Bad nehmen oder deinen Körper mit dem Salz einreiben und duschen.

„Salzwasser ist das Heilmittel für alles – Tränen, Schweiß oder das Meer“ (Isak Dinesen)

Vielleicht wirst du auch emotional überwältigt und weinerlich um den Vollmondtag. Lasse den Tränen freien Lauf und halte sie nicht zurück, achte auf deine Gefühle und spüre den Schmerz. Heule mit den Wölfen am Wolfsmond. Die Tränen bestehen, wie das Meer, aus Salzwasser und haben sehr heilende Eigenschaften. Hast du kein Salz zur Hand und möchtest auch nicht weinen, doch in dir steckt das Gefühl, dass etwas herausmuss, bewege deinen Körper so lange, bis Salzwasser aus deinen Poren tritt. Tanze, laufe, treibe Sport, um deinen Körper ins Schwitzen zu bringen. Du kannst auch ein türkisches Bad oder eine Sauna besuchen, um deinen Körper von emotionaler Belastung zu befreien.

 

Miriam Fischer
Miriam Fischer


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