Vesakh: Der höchste Feiertag der Buddhisten

von Miriam Fischer Mai 18, 2019 5 Minuten Lesezeit

Vesakh: Der höchste Feiertag der Buddhisten

Vesakh: Der höchste Feiertag der Buddhisten

Rund um den Globus feiern die Buddhisten dieses Wochenende den wichtigsten Vollmond des Jahres. Vollmondtage nehmen im buddhistischen Kalender immer einen besonderen Platz ein. Doch einmal im Jahr findet ein ganz besonderer Vollmond statt: Vesakh. Dies ist der Tag, an dem die Geburt, Erleuchtung sowie der Tod des Buddhas gefeiert werden. Dieser höchste Feiertag fällt jedes Jahr auf ein anderes Datum und zwar stets am ersten Vollmondtag des vierten Monats im Gregorianischen Kalender. Dieses Jahr ist Vesakh am 19. Mai 2019.

Buddhas Geburtstag

Siddharta Gautama, der zukünftige Buddha, wurde um das Jahr 563 v. Chr. im Königreich der Shakyas in Lumbini, im Süden des heutigen Nepals am Vollmondtag des Monats Vesakha im Mondkalender, geboren. Seine Eltern waren Fürst Suddhodana und dessen Gattin Maya, die sieben Tage nach der Geburt verstarb. Ihren Sohn nannten sie Siddhartha, was so viel bedeutet wie „Der, der sein Ziel erreicht hat“. Gautama bedeutet „Anführer der Herde“ und steht für die Zugehörigkeit zur Gautama-Sippe.

Schon kurz nach Siddhartas Geburt machten die Weisen des Fürsten die Prophezeiung, dass sein Sohn entweder ein großer Herrscher oder ein heiliger Mann werden würde. Folglich versuchte sein Vater zu verhindern, dass Siddharta in Kontakt mit Religion und dem Leid der Menschen kam, da er wollte, dass sein Sohn sein Nachfolger werden würde.

Buddhas Erleuchtung

Der kleine Siddhartha wuchs behütet und beschützt in Wohlstand und Reichtum auf und wurde mit 16 Jahren mit seiner Cousine, Prinzessin Yasodhara, verheiratet. Mit 29 Jahren, kurz nach der Geburt seines einzigen Sohnes Rahula, verließ er seinen Palast für Spaziergänge und bekam erstmals das Leid der Menschen zu Gesicht. Bei vier Ausflügen sah er jeweils vier Zeichen: einen alten Greis, einen fieberkranken Mann, eine Leiche und einen Asketen. Und so brach er auf, ließ sein bequemes Leben hinter sich und machte sich auf die Suche nach einer Lösung für das Leid der Welt.

Fast sechs Jahre lang lebte er ein Leben äußerster Entsagung und extremer Selbstkasteiung im Tal des Ganges als Schüler brahmanischer Eremiten, bis er beinahe den Hungertod starb und erkannte, dass ein solches Leiden nicht zu dem führen konnte, was er suchte. Also gab er das Leben des Asketen ebenfalls auf und wurde zum religiösen Wanderer ohne strenger Entsagung. Fortan folgte er seinem eigenen Weg, dem Mittleren Weg, auch Edler Achtfacher Pfad genannt. Mit dem Entschluss, erst wieder aufzustehen, wenn er die Erleuchtung erlangt hätte, setzte er sich unter dem Fuß des Bodhi-Baums und meditierte.

Am Vollmondtag des Monats Vesakh, nach 49 Tagen der Meditation unter dem Bodhi-Baum, erlangte er im Alter von 35 Jahren die Erleuchtung (Nirvana) und wurde ein höchster Buddha, ein „Erwachter“. Als Siddhartha Gautama, Gautama Buddha, oder einfach der Buddha ging er in die Geschichte ein.

Bald nach seiner Erleuchtung hielt er seine erste Lehrrede im Wildpark bei Isipatana. Daraufhin beschlossen fünf Asketen seine ersten Schüler zu werden. In den folgenden Jahren zog seine Lehre viele weitere Anhänger an. Während seines 45- jährigen Wirkens durchstreifte der Buddha den Norden Indiens und lehrte über das Leid des Lebens, die Ursache des Leids, wie man dem Leid ein Ende bereitet und inneren Frieden und Erleuchtung erlangt.

Buddhas Tod

Im Alter von 80 Jahren begab sich der Buddha auf seine letzte Reise mit Ananda, seinem Cousin und geliebten Schüler, und einigen anderen Anhängern nach Kushinagar. Es gibt verschiedene Berichte über die Todesursache. Manche sagen, er habe etwas Verdorbenes gegessen, anderen Überlieferungen zufolge war es einfach Altersschwäche.

Einer der Geschichten zufolge hielt der Buddha kurz vor seinem Tod vor den versammelten Mönchen eine Lotosblume stillschweigend in der Hand. Keiner der Mönche – bis auf einen – verstand, was dies bedeutete. Mahakashyapa lächelte jedoch und brachte damit die Qualität seiner inneren Wesensschau zum Ausdruck. Der Buddha erklärte schließlich, dass all seine Weisheit und sein Geist somit auf Mahakashyapa übergegangen seien. Dadurch wurde das Rad (Dharma) der Lehre des Buddhismus in Bewegung gesetzt. Mahakashyapa wurde der erste einer ganzen Reihe von buddhistischen Patriarchen. So lautet der Gründungsmythos des Zen- Buddhismus.

Ein letztes Mal predigte der Buddha zu seinen Schülern und dann erlangte er am Vollmondtag des Monats Vesakha das Paranirvana oder den Eintritt in das letzte Nirvana.

In ganz Asien wurden die heiligen Relikte des Buddha in Denkmälern, sogenannten Stupas, aufgeteilt und aufbewahrt. Diese Denkmäler werden von Buddhisten als die lebendige Gegenwart Buddhas angesehen. Diese heiligen Orte wurden zu Pilgerstätten, zu denen Buddhisten aus aller Welt kommen, um den Buddha zu ehren.

Der Vollmond im Mai – ein weltweiter Feiertag

Der Vollmondtag im Mai ist der höchste Feiertag des Buddhismus, an welchem dem Leben und Wirken des Buddhas gedacht wird. Das Vesakhfest ist ein jährlicher Feiertag, der in folgenden Ländern Asiens gefeiert wird: China, Tibet, Japan, Bhutan, Kambodscha, Laos, Nepal, Singapur, den Philippinen, Taiwan, Vietnam, Thailand, Süd- und Nordkorea, Kambodscha, Malaysia, Sri Lanka, Myanmar, Indonesien, Bangladesch, Pakistan und Indien.

In Würdigung des buddhistischen Beitrags zum Weltkulturerbe wurde der Vesakh- Tag 1999 von der UN-Generalversammlung zum internationalen Feiertag ernannt. Von Buddhisten auf der ganzen Welt wird Vesakh auf verschiedene Art und Weise gefeiert. Das genaue Datum des Vesakh-Tages hängt von den in den jeweiligen Ländern und Traditionen verwendeten Mondkalendern ab. In China, Hongkong und Macao wird der Vesakh-Tag zum Beispiel am achten Tag des vierten Monats des

chinesischen Mondkalenders gefeiert. In Japan wird Vesakh immer am 8. April gefeiert und basiert auf dem Gregorianischen Kalender.

Wie wird Vesakh gefeiert?

Buddhisten feiern diese historisch bedeutsamen Ereignisse, indem sie am Vesakh- Tag in Klöster gehen, Almosen an Arme abgeben und meditieren Viele Buddhisten fasten an diesem heiligen Vollmondtag. Tiere dürfen am Vesakh-Tag nicht geschlachtet werden. Eine Tradition ist es sogar, Tiere freizulassen. Außerdem wird mit Puja-Zeremonien sowie Prozessionen zur Ehrerweisung des Buddha Siddharta Gautama gefeiert. Mönche chanten die heiligen Schriften, leiten Meditationen und geben Lehrvorträge zu den Themen des Vesakh-Fests. Darüber hinaus bieten viele buddhistische Tempel in ganz Südostasien allen Besuchern kostenlose Mahlzeiten und Tees zur Feier Buddhas Geburtstag an. Vielerorts wird außerdem die internationale buddhistische Flagge gehisst, zu Ehren des Buddhas sowie als Zeichen für die Einheit und den Zusammenhalt aller Buddhisten weltweit.

Die Bedeutung von Vesakh

Die Bedeutung von Vesakh liegt in der Botschaft des universellen Friedens für die Menschheit. Aus buddhistischer Sicht ist der Sinn des Lebens, das Leid zu beenden und Liebe und Mitgefühl zu praktizieren, um Frieden und wahres Glück zu erreichen. Nicht nur für die Buddhisten, auch für viele spirituell Suchende aus anderen Kulturkreisen, insbesondere der westlichen Welt, ist der Buddha ein wichtiger Lehrmeister geworden. Seine Weisheit und Demut finden auch bei Wissenschaftlern und Anhängern etablierter Religionen Anklang und großen Respekt. Denn der Buddha erhebt weder Anspruch auf absolute Wahrheit noch auf Macht und Doktrin, er möchte lediglich Frieden und Harmonie für die Welt. Laut Buddhismus trägt jeder Einzelne die Verantwortung für seinen inneren Frieden als Beitrag zum Weltfrieden. So sagte der Buddha einst: „Übe dich mit Entschlossenheit darin, Frieden zu erlangen“.

Miriam Fischer
Miriam Fischer


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