Herkunft und Bedeutung von Gebetsmühlen

von Miriam Fischer Februar 02, 2019 5 Minuten Lesezeit

Herkunft und Bedeutung von Gebetsmühlen

Vielleicht hast Du auch schon einmal eine Gebetsmühle gesehen und Dich gefragt, woher stammen sie eigentlich?

Es wird vermutet, dass die ersten Gebetsmühlen im 4. bis 8. Jahrhundert auftauchten als der Buddhismus Tibet und Ladakh erreichte. Es waren einst Wandermönche, welche mit kleinen Handmühlen durchs Himalaya zogen und sie dadurch verbreiteten. Da die Wandermönche nicht viel auf ihren Wanderungen tragen konnten, hatten diese Gebetsmühlen eine handliche Form. Danach nahmen Gebetsmühlen verschiedene Formen an; neben den Handmühlen gibt es mittlerweile auch Gebetsmühlen, welche innerhalb der “Kora” in den Klöstern in einer Art Wand befestigt sind, sodass man sie beim Vorbeigehen bequem mit der Hand herumschwingen kann. Gedreht werden sie übrigens immer mit dem Uhrzeigersinn! Die “Kora” ist das umwandeln und umlaufen von Klöstern und Heiligtümern und beschreibt den Kreis um das Heiligtum, welcher meditativ abgelaufen wird (auch immer im Uhrzeigersinn). Es gibt auch 2-3 Meter große monumentale Gebetsmühlen, welche in kleinen für sie geschaffenen Häuschen untergebracht sind und komplett umlaufen werden müssen damit sie gedreht werden können. Diese Gebetsmühlen-Häuschen sehen mit ihren bunten Verzierungen nicht nur wunderschön aus, ihnen wird auch nachgesagt dass Sie eine positive Atmosphäre für ihre ganze Umgebung kreieren können. Wenn Du schon einmal eines gesehen hast, weißt Du vielleicht wie angenehm und beruhigend sie wirken. Dann gibt es noch Tisch-Gebetsmühlen und kleine Gebetsmühlen aus Papier, welche mit Kerzen betrieben werden können und sich dann automatisch drehen. Heutzutage, gibt sogar elektrische Gebetsmühlen, die man an den Strom anschließen kann damit sie sich von alleine drehen, sowie Apps für Smartphone und Tablet, die Gebetsmühlen animieren. Wenn Du eher ein bequemer Mensch bist, sind diese modernen Gebetsmühlen vielleicht Dein Ding? Unabhängig von modernen Entwicklungen bleibt die Handgebetsmühle jedoch die ursprünglichste unter allen Gebetsmühlen und sie wird auch heute noch von vielen Tibetern und Buddhisten genutzt.

Die Bedeutung und Wirkung von Gebetsmühlen

Wozu benutzt man Gebetsmühlen und was nützen sie? Die Idee, die hinter den Gebetsmühlen steht, ist geistige und körperliche Aktivität in Einklang zu bringen. Das klingt erstmal gut, aber wie funktioniert das? Um dies zu erreichen werden verschiedene Ebenen miteinander verknüpft:

1. Förderung der eigenen Konzentration

2. Das Ansammeln von positiven Karma

3. Visualisieren und Verbreiten von Mantras

4. Das Drehen des Rats der Lehre

Wer möchte nicht seine Konzentration verbessern? Eigentlich wünschen wir uns doch alle exzellenten Fokus. Fokus hilft in allen Lebenslagen. Die Förderung der Konzentration mit einer Gebetsmühle kommt durch das meditative Miteinander mit der Gebetsmühle, denn beim Drehen der Mühle wird zeitgleich ein Mantra rezitiert. Sehr verbreitet unter Tibetern ist OM MANI PAD ME HUM welches meist auch Außen auf der Gebetsmühle steht. Versuch einmal Deine Hand im Uhrzeigersinn zu drehen, gleichzeitig das Mantra aufzusagen, und einen Kreis in Deinem Zimmer abzulaufen. Merkst Du, wie Du Dich konzentrieren musst? Stell Dir nun vor Du machst dies 50 Jahre Deines Lebens, eine Stunde am Tag.

Das Ansammeln von positiven Karma kommt automatisch durch das Rezitieren des Mantras die Förderung der Konzentration und durch die dadurch erfolgende “Bändigung des Geistes”. Das hast Du ja jetzt schon verstanden. Hierbei werden große Wiederholungen bzw. Umdrehungen bevorzugt z. B. 10.000 Wiederholungen bis hin zu 100.000 oder 300.000 Wiederholungen. Wie viele Umdrehungen glaubst Du könntest Du in einer Stunde schaffen? Um 300.000 Wiederholungen zu erreichen, muss man schon eine längere Zeit investieren.

Tibeter verbinden das Drehen einer Handgebetsmühle oft mit dem zeitgleichen umlaufen von Heiligtümern und zählen dann nicht nur die Anzahl der Umdrehungen bzw. Mantren, sondern auch die Anzahl der “Umlaufungen”. Hierzu kann man manchmal kleine aufgehäufte Steine an der Seite des Heiligtums finden, die dazu dienen die Umlaufungen zu zählen. In tibetischen Gemeinden treffen sich ältere Tibeter (Männer wie Frauen) meist morgens und abends um “Kora” zu laufen Mantren aufzusagen und um Ihre Gebetsmühlen zu drehen. Neben dem positiven Effekt für den Geist halten sie hierdurch auch Ihren Körper fit.

Bei der Visualisierung hingegen stellt sich der oder die Praktizierende das Mantra aus farbigen Licht vor und sieht, wie dieses Licht ausstrahlt und dabei alle fühlenden Wesen illuminiert und positiv beeinflusst. Fortgeschrittene Praktizierende können mehrere Konzentrationsübungen gleichzeitig durchführen, ohne durcheinander zu kommen; also den Tempel umrunden die Gebetsmühle in der Hand drehen das Mantra aufsagen (und zählen) sowie die Visualisierung aufrechterhalten. Es geht hierbei darum die Konzentration zu fördern den Körper und den Geist in Einklang zu bringen sowie eine positive Grundhaltung zu seinem Umfeld zu entwickeln. Daher reagieren diese Praktizierenden auch immer freundlich und hilfsbereit sollte man sie bei Ihrer Meditation stören und um Rat Fragen. Probiere es einmal aus: drehe Deine Hand, laufe im Kreis, und visualisiere das Mantra aus farbigen Licht und lass Dich dann regelmäßig unterbrechen ohne die Fassung oder Konzentration zu verlieren, wie konzentriert und mitfühlend bist Du schon?

Wieso eigentlich “das Drehen”, wieso nicht geradeaus gehen, oder im Dreieck? Drehen, Rund oder Kreis, heißt im Tibetischen “kor” oder “kora” und hat für den Buddhismus eine tiefe Bedeutung, da Buddha das Rad der Lehre gedreht hat und somit sein Wissen mit uns teilte. Dieser Akt der Zuneigung gegenüber aller fühlenden Wesen wird sehr hochgeschätzt und Buddha sowie alle Bodhisattvas werden regelmäßig gebeten das Rad der Lehre immer weiter zudrehen. Da sich in den Gebetsmühlen Schriftstücke der Lehre Buddhas befinden und Sie außen mit buddhistische Mantras geschmückt sind, kommt also das eigene Drehen der Gebetsmühle dem “Drehen des Rades der Lehre” nahe und gewinnt hierdurch an besonderer Bedeutung.

Die mystische Bedeutung der Gebetsmühlen

Wie wird die Entstehung der Gebetsmühle traditionell erklärt? Der Sage nach gab Nagarjuna (eine historisch bedeutende Persönlichkeit im indischen Buddhismus) eine Gebetsmühle an eine Dakini mit Löwengesicht, welche wiederum diese an Padmasambhava dem Begründer des tibetischen Buddhismus weiter gab. Dieser brachte sie dann nach Tibet. Jetzt kann jeder sie benutzen, auch wenn er oder sie kein Löwengesicht hat.

Aus mystischer Sicht verkörpert die Gebetsmühle das Handeln und Wirken der Buddhas und Bodhisattvas aller 10 Himmelsrichtungen. Daher wird sie auch, als Verkörperung eines Buddhas wahrgenommen, welcher sich in dieser Form manifestiert hat um all unser negatives Karma zu reinigen und uns dabei zu unterstützen Erleuchtung zu erlangen. Wenn Du das nächste Mal eine Gebetsmühle in der Hand hast, versuch Dir vorzustellen Du hättest einen Buddha in der Hand. Du wirst wahrscheinlich viel behutsamer mit ihr umgehen und vielleicht sogar gleich ein Samtkissen besorgen, um Deine Gebetsmühle entsprechend zu betten. 

Es wird auch gesagt, das alle Wesen die sich im Umfeld einer Gebetsmühle befinden nicht in tieferen Bewusstseinszuständen wiedergeboren werden können sowie, dass wenn man eine Mani Gebetsmühle (eine Mit OM MANI PADME HUM) bei sich im Haus hat, dieses Haus dem Potala gleicht also dem Reich der Buddhas. Die Gebetsmühle soll auch Sterbenden dabei helfen können ihr Bewusstsein in höhere Bewusstseinszustände zu transferieren daher ist es auch im Tode gut an die Gebetsmühle zu denken

Miriam Fischer
Miriam Fischer


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