Fünf buddhistische Techniken für Liebe und Mitgefühl

von Miriam Fischer März 09, 2019 4 Minuten Lesezeit

Fünf buddhistische Techniken für Liebe und Mitgefühl

Fünf buddhistische Techniken für Liebe und Mitgefühl

„Für mich stellen Liebe und Mitgefühl eine allgemeine, eine universelle Religion dar. Man braucht dafür keine Tempel und keine Kirche, ja nicht einmal unbedingt einen Glauben, wenn man einfach nur versucht, ein menschliches Wesen zu sein mit einem warmen Herzen und einem Lächeln, das genügt.“―Dalai Lama

Wir alle wissen, dass Liebe und Mitgefühl Dinge sind, die wir kultivieren sollten, wenn wir selbst glücklicher sein wollen. Doch wie können wir diese Tugenden in uns wecken? Oft schauen wir uns die Welt an und sehen keinen Anlass für Liebe und Mitgefühl. Manchmal ist die Quelle unserer Liebe vor uns selbst verborgen und wir haben möglicherweise keinen einfachen Zugang zu ihr. Glücklicherweise gibt es verschiedene buddhistische Techniken, die uns dabei helfen, die Liebe zu wecken, die in all unseren Herzen schlummert.

1. Öffne dein Herz für die Liebe

Es gibt eine Methode, Liebe und Mitgefühl zu erzeugen, egal wann und wo: Die LiebendeGüte-Meditation. Schließe die Augen und visualisiere die Liebe, die dir jemand gegeben hat und die dich wirklich berührt hat. Vielleicht ein Moment in deiner Kindheit, in welchem du dich geliebt und geborgen gefühlt hast. Das könnte die Liebe deiner Eltern oder Großeltern sein, vielleicht ist es auch die Erinnerung an ein Haustier, das das Gefühl der Liebe in dir wachruft. Erinnere dich an einen bestimmten Moment, in dem du die Liebe deutlich gezeigt bekommen und intensiv wahrgenommen hast. Erinnere dich auch an Augenblicke, in denen du Liebe und Mitgefühl anderen Menschen gegenüber empfunden hast. Fühle die Liebe als würde der Moment genau jetzt wieder geschehen.

Lass dieses Gefühl wieder in deinem Herzen aufsteigen und dich mit Dankbarkeit erfüllen. Erlaube deinem Herzen, sich zu öffnen, damit die Liebe hinein und hinaus fließen kann. Stell dir vor, wie du die Liebe an die Menschen schickst. Beginne mit denen, die dir am nächsten stehen, und verbreite deine Liebe dann an Freunde und Bekannte, dann an Nachbarn, Fremde und dann sogar an Menschen, die du eigentlich nicht magst oder mit denen du im Konflikt stehst. Schicke deine Liebe hinaus in die Welt, damit sie alle Herzen berühren kann.

2. Sehe dich selbst in Anderen

„Schließlich sind alle Menschen gleich: sie bestehen aus menschlichem Fleisch, Knochen und Blut. Wir alle wollen glücklich sein und nicht leiden. Und wir haben alle das gleiche Recht, glücklich zu sein. Mit anderen Worten, es geht darum, unsere Gleichheit als Menschen zu erkennen.“ ―Dalai Lama

Nehmen wir zum Beispiel an, dass du Schwierigkeiten mit einem geliebten Menschen hast, deiner Mutter, deinem Vater, Ehepartner oder Freund. Versuche, den Menschen nicht in der bestimmten Rolle als Mutter, Vater oder Partner zu betrachten, sondern einfach als eine andere Version von dir selbst, ein Mensch mit den gleichen Gefühlen wie du, der gleichen Sehnsucht nach Glück, der gleichen Angst vor dem Leiden. In dem Moment, wo du den Menschen erkennst und dich selbst in ihm siehst, öffnest du dein Herz.

Wenn wir andere als gleichwertig betrachten, hilft uns das, unsere Beziehungen zueinander zu verbessern. Beginnen wir in unserem persönlichen Umfeld, bei unseren engsten Beziehungen und weiten die Perspektive dann aus. Stell dir vor, wenn alle Menschen weltweit einander mit einer Haltung von Gleichwertigkeit begegnen würden. Endlich hätten wir den Beginn einer soliden Basis für den Frieden auf der Erde und das glückliche Zusammenleben aller Völker. Leiste deinen Beitrag zu einer besseren Welt und sei ein Vorbild, indem du deine Mitmenschen als ebenbürtig anerkennst.

3. Versetze dich in die Lage der Anderen

Wenn jemand leidet und du nicht weißt, wie du ihm helfen kannst, dann frage dich: „Wie würde ich mich an seiner Stelle fühlen? Wie würde ich wollen, dass meine Freunde mich behandeln? Was würde ich am meisten an ihnen wertschätzen?“ Wenn du dich auf diese Weise in die Lage eines anderen Menschen hineinversetzt, öffnest du dein Herz für die Liebe und das Mitgefühl. Du löst dich von dem üblichen Fokus auf deine eigenen Interessen und Egoverhaftungen und nimmst die Perspektive deines Gegenübers ein. Dies ist eine sehr wirksame Methode, um Liebe und Mitgefühl zu praktizieren. Falls es dir schwerfällt, dich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, versuche die nächste Methode in Punkt vier.

4. Hilf einem Freund, um Mitgefühl zu üben

Eine weitere effektive Methode, um Mitgefühl gegenüber einer leidenden Person zu erwecken, ist, sich an die Stelle dieser Person einen sehr engen Freund vorzustellen oder jemanden, den du wirklich von ganzem Herzen liebst. Stelle dir deinen Bruder, deine Tochter, deine Mutter oder deinen besten Freund in derselben schmerzlichen Situation vor. Dein Herz wird auf natürliche Weise geöffnet und es wird Mitgefühl in dir wach. Würdest du nicht alles tun wollen, um diesem Menschen zu helfen? Nimm dann dieses in deinem Herzen erzeugte Mitgefühl und übertrage es auf die Person, die deine Hilfe benötigt. Du wirst feststellen, dass die Hilfe, die du ihm zukommen lässt, inspirierter und spontaner ist und dass es dir viel leichter fällt, zu helfen.

5. Mitgefühl für das Leid der Welt

Das Leben gibt uns täglich unzählige Gelegenheiten, um unsere Herzen zu öffnen, und es gilt nur, diese Gelegenheiten zu erkennen und vor allem zu ergreifen. Du begegnest vielleicht einer Nachbarin, die mit zwei schweren Einkaufstaschen, die sie kaum tragen kann, die Treppe hinaufgeht. Ein Junge mit Krücken, der verängstigt versucht, eine vielbefahrene Straße zu überqueren. Ein Obdachloser, der in der Bushaltestelle Schutz vor dem Regen sucht. Ein Vogel mit gebrochenem Flügel, der den Gehweg entlanghüpft. Du musst nur den Fernseher einschalten und schon siehst du zahlreiche Szenen, die das Leid der Welt zeigen. Verschließe dich nicht vor dem Leid, das sie zeigen und schaue nicht weg. Öffne dein Herz für das Mitgefühl. Sei verwundbar. Verwende diesen plötzlichen und Ansturm des Mitgefühls für dich und dein Herz. Konzentriere dich darauf, gehe in die Tiefen deines Herzens und meditiere darüber, kultiviere es, vertiefe es.

Verwechsle nicht Mitgefühl mit Mitleid. Mitleid beruht auf Angst, Mitgefühl ist Liebe. Angst trennt, Liebe verbindet. Sich in Mitgefühl zu üben, heißt zu wissen, dass alle Wesen gleich sind und dass wir in ähnlicher Weise leiden. Auf diese Weise ist deine erste Reaktion auf das Leiden eines Menschen kein einfaches Mitleid, sondern ein tiefes Mitgefühl. Empfinde Respekt und sogar Dankbarkeit gegenüber einer leidenden Person, denn sie hilft dir, dein Herz weiter zu öffnen und dich selbst spirituell weiterzuentwickeln. Denn dort wo Menschen dich berühren, kannst auch du sie berühren: im Herzen.

Miriam Fischer
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