Die verschiedenen Arten des Buddhismus

von Miriam Fischer September 21, 2019 6 Minuten Lesezeit 1 Kommentar

Buddhismus - Die verschiedenen Arten des Buddhismus

Die verschiedenen Arten des Buddhismus

Der Buddhismus zählt zu den großen Weltreligionen, auch wenn er sich nicht auf eine oder mehrere Gottheiten bezieht. Da es im Buddhismus nicht um Gottesanbetung geht, wird er oft nicht als Religion, sondern als Lebensphilosophie oder spirituelle Lehre und Praxis bezeichnet. Es gibt verschiedene Zweige des Buddhismus, die alle ihren Ursprung im historischen Buddha haben. In diesem Artikel stellen wir dir die am weitesten verbreiteten vor. Lies weiter und erfahre mehr über die unterschiedlichen Schulen des Buddhismus! 

Der Ursprung des Buddhismus 

Siddharta Gautama, der Begründer des Buddhismus, ist kein Gott. Er war ein Mensch, der nach jahrelanger spiritueller Praxis im Alter von 35 Jahren die Erleuchtung erreichte und folglich den Ehrentitel Buddha (Erleuchteter) erhielt. Seine Lehre beinhaltet seine persönlichen Erkenntnisse und Techniken zur Überwindung des Leids und Erlangung der Erleuchtung. Als spiritueller Lehrer wirkte er 44 Jahre lang in Nordindien. Von dort hat der Buddhismus sich in Asien ausgebreitet und schließlich auch seinen Weg in den Rest der Welt gebahnt. 

Der Buddhismus wurde zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr. begründet und ist die viertgrößte Religion der Welt, gemessen an der Anzahl der Anhänger. Weltweit gibt es schätzungsweise 500 Millionen Buddhisten, die Hälfte davon lebt in China. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird der Buddhismus immer mehr in westlichen Ländern praktiziert. Die Prinzipien des Buddhismus, der Mittlere Weg, Meditation, Mitgefühl und Achtsamkeit erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und es wird bereits vom westlichen Buddhismus als neuer Zweig der Buddha-Lehre gesprochen. Im Wesentlichen wird jedoch zwischen vier verschiedenen Schulen oder Wegen des Buddhismus unterschieden: Theravada, Hinayana, Mahayana und Vajrayana. 

Die zwei Hauptströmungen des Buddhismus 

Die zwei großen Hauptströmungen des Buddhismus sind Hinayana („kleines Fahrzeug“) und Mahayana („großes Fahrzeug“). Die Begriffe „Fahrzeug“ (yana), „Weg“, oder „Schule“ (vada) sind vergleichbar mit Konfessionen oder Denominationen. Das Fahrzeug oder der Weg führt den Buddhisten sinnbildlich über den Strom des Leidens hinweg. 

In der Hinayana-Tradition geht es ausschließlich um den Praktizierenden und seine spirituelle Entwicklung hin zum Erwachen und zur Befreiung vom Leid, während in der Mahayana-Schule darüber hinaus der Beitrag der Praktizierenden zum Erwachen anderer eine Rolle spielt. Da die persönliche Motivation im Hinayana-Buddhismus kleiner ist, wird er – vom Mahayana-Buddhismus – als „kleines Fahrzeug“ bezeichnet. Anhängern des Mahayana-Buddhismus geht es nicht nur um ihr eigenes Bodhi (Erwachen), sondern um die Erlösung sämtlicher Lebewesen. Aus diesem Grund nennt sich diese Schule „großes Fahrzeug“. 

Aus der ursprünglichen Hinayana-Tradition existiert heutzutage nur noch der Theravada- Buddhismus, auch „Lehre der Älteren“ genannt. Er geht auf die Mönche zurück, welche zu Zeiten Siddharta Gautamas gelebt und bei dessen Lehrreden persönlich anwesend waren. Aus diesem Grund wird er auch oft der ursprüngliche oder originale Buddhismus genannt. 

Der Mahayana-Buddhismus entstand rund 100 Jahre nach dem Tod des Siddharta Gautama. In dieser Schule ist das Prinzip der Bodhisattvas von wesentlicher Bedeutung. Bodhisattvas sind Wesen, die während ihres Menschenlebens die Erleuchtung erlangt haben, jedoch freiwillig darauf verzichten, in das Paranirwana einzugehen und vom ewigen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt befreit zu sein. Sie kommen erneut auf die Welt mit der Aufgabe, Menschen auf dem Weg des Erwachsens behilflich zu sein. Siddharta Gautama, der Buddha, war beispielsweise ein Bodhisattva. 

Die drei großen buddhistischen Schulen 

Entsprechend der Anzahl der Praktizierenden sind heute die drei Hauptzweige des Buddhismus Mahayana, Theravada und Vajrayana. In sämtlichen Zweigen des Buddhismus steht die Praxis der Meditation und Achtsamkeit, Freundlichkeit und Mitgefühl im Mittelpunkt. Das Studium heiliger Schriften, die Kultivierung von Weisheit und Werten sowie Loslösung von der Anhaftung an das materielle Leben sind ebenfalls universell. Gleichzeitig gibt es große Unterschiede zwischen den verschiedenen buddhistischen Wegen, insbesondere in der Gewichtung verschiedener Aspekte der Lehre und Praxis. 

Es gibt buddhistische Klöster, wo Mönche und Nonnen ihr komplettes Dasein der spirituellen Askese widmen. Die meisten Buddhisten praktizieren jedoch weniger intensiv. Immerhin ist ein wesentlicher Bestandteil der Lehre der Mittlere Weg. Buddhisten sollen ihr Leben in Gleichgewicht und Harmonie verbringen. Zwar soll die emotionale Anhaftung an das irdische Leben überwunden werden, doch das bedeutet nicht, dass in absoluter Entsagung gelebt werden muss. 

Das Drehen des Dharma-Rads 

Die Lehren des Buddhismus werden dargestellt im Drehen des Dharma-Rads. Buddha drehte das Rad dreimal. Das erste Drehen des Dharma-Rads bezieht sich auf den Hinayana-Buddhismus. Diese Lehren sind ebenso Bestandteil des Mahayana-Buddhismus, der wiederum mit dem zweiten Drehen des Rads einhergeht. Das dritte Drehen des Dharma-Rads bezieht sich auf den Vajrayana- Buddhismus. Dieser wird auch das „diamantene Fahrzeug“ oder „Diamantweg“ genannt. 

Theravada-Buddhismus 

Mit dem ersten Drehen des Dharma-Rads lehrte Buddha die vier edlen Wahrheiten, die Grundlage des Theravada-Buddhismus. Der Praktizierende konzentriert sich auf sein Überwinden des Leids und materieller Anhaftungen, um spirituell zu erwachen und durch Erkenntnis und Umsetzung des Sutras der vier edlen Wahrheiten die Erleuchtung zu erlangen. Im Theravada-Buddhismus spielt die Selbstbeobachtung eine große Rolle. Individuelle Erfahrung und kritisches Denken stellen diese Introspektion dem blinden Glauben entgegen, um das Nirwana zu erlangen. 

Hervorgehoben werden das Studium der heiligen Schriften des Pali-Tipitaka sowie das asketische Leben der Mönche und Nonnen als Vorbild für die spirituelle Praxis. Die Erleuchtung soll durch eigene Anstrengung erlangt werden. Der Buddha ist lediglich ein Lehrer, der den Weg weist – gehen muss den Weg jeder selber. Der Theravada-Buddhismus wird als das „kleine Fahrzeug“ oder auch der „kleine Weg“ bezeichnet. 

Mahayana-Buddhismus 

Das Dharma-Rad dreht sich zum zweiten Mal. Buddha lehrt die Sutras der Vollkommenheit der Weisheit und das Sutra der Unterscheidung der Absicht. Neben der persönlichen Erleuchtung geht es dem Buddhisten um die Erlösung sämtlicher fühlender Lebewesen. Da die Bemühung persönliche Ziele transzendiert und die gesamte Menschheit mit einbezieht, wird der Mahayana-Buddhismus auch das „große Fahrzeug“ oder der „große Weg“ genannt. 

Wenn wir uns den Mahayana-Zweig des Buddhismus genauer betrachten, stellen wir fest, dass die Lehren eher ein Leitfaden sind als eine Lehre. Das monastische Ideal macht Platz zugunsten der weltlicher Orientierung. Zwar gilt auch im Mahayana-Buddhismus der Sanskrit-Tipitaka als der Kern der überlieferten Schriften, doch zusätzlich werden weitere Sutras herangezogen. Darüber hinaus spielen die Bodhisattvas im Mahayana-Buddhismus eine fundamentale Rolle als Helfer der Menschheit auf dem gemeinsamen Weg zur Erleuchtung. Zu den Arten des Mahayana-Buddhismus 

gehört zum Beispiel der Zen-Buddhismus, der die Erfahrung von Weisheit durch Meditation sucht, weg von theoretischem und intellektuellem Wissen. 

Vajrayana-Buddhismus 

Mit dem dritten Drehen des Dharma-Rads lehrt Buddha die Buddha-Natur, die in jedem Lebewesen bereits vorhanden ist und die Quelle für seine Erleuchtung darstellt. Die Schule des Vajrayana- Buddhismus entspringt dem Mahayana-Buddhismus und bildet kein in sich geschlossenes System, sondern beherbergt verschiedene weitere Schulen und Strömungen. Vajrayana wird auch als „tibetischer Buddhismus" bezeichnet, denn er wurde ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. im Himalaya- Gebirge entwickelt und ist die Hauptreligion von Bhutan und der Mongolei. Auch in Japan und China, Teilen Indiens und sogar Russland hat der Vajrayana-Buddhismus Einfluss. 

Seine Lehre beruht auf dem Mahayana-Buddhismus, jedoch gehören auch Techniken des Tantras dazu. Neben der Meditation nehmen Mantras, Visualisierung sowie tantrische Übungen und Rituale einen wichtigen Platz in der spirituellen Praxis ein. Da es im Vajrayana-Schule einige geheime Lehren und Praktiken gibt, die nur Eingeweihten und zuteilwerden und das erst schrittweise im Laufe der buddhistischen Ausbildung, wird dieser Weg auch „esoterischer Buddhismus“ genannt. Von großer Bedeutsamkeit ist auf dem „Diamantweg“ die direkte Unterweisung des Schülers von einem Lehrer. Der Dalai Lama ist das spirituelle Oberhaupt Tibets und eine wichtige Persönlichkeit im tibetischen Buddhismus. 

Buddhismus im Westen 

Es gibt zahlreiche buddhistische Schulen, die wiederum aus dem Theravada-, Mahayana- und Vajrayana-Buddhismus hervorgingen. Alle haben ihren gemeinsamen Ursprung in den Lehren des Buddhas. Nicht zuletzt gibt es die westliche Form des Buddhismus, die schon als eigener Zweig betrachtet werden kann. 

Diese Art von Buddhismus ist von Erkenntnissen der Neurowissenschaft und Metaphysik geprägt und legt weniger Wert auf traditionelle Wurzeln und Praktiken, sondern vielmehr auf die Grundprinzipien von Achtsamkeit, Liebe und Mitgefühl sowie die Alltagstauglichkeit in einer modernen, westlichen Welt. Insbesondere da der Buddhismus keinen blinden Glauben an einen Gott predigt, sondern auf persönlicher Erfahrung und kritischer Hinterfragung beruht sowie mit den Prinzipien der empirischen Wissenschaft vereinbar ist, hat er im letzten Jahrhundert einen solch großen Anklang im Westen gefunden. 

Die Philosophie, die vor rund 2600 Jahren mit den persönlichen spirituellen Erfahrungen und Erkenntnissen des jungen Prinzen Siddharta Gautama aus einem kleinen Dorf in Nepal begann, hat sich mittlerweile rund um den Globus verbreitet und nennt sich Weltreligion – welch Inspiration für die Macht des Individuums sowie die Kraft der Liebe und des Mitgefühls!

Miriam Fischer
Miriam Fischer


1 Antwort

Kathleen
Kathleen

September 21, 2019

Immer wieder lesenswerte Beiträge. Einer, der wenigen Newsletter, die ich mit Interesse öffne. Kathleen

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